Unser Ziel

Es ist wunderschön, mit einem anderen Wesen eine vertrauensvolle Beziehung zu haben, in der die Würde und die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen voll respektiert werden.

 

Dazu bedarf es gar nicht viel. Warum gehen wir Beziehungen ein? Weil wir das andere Wesen lieben, weil es uns fasziniert, glücklich macht, oder fröhlich, weil wir etwas voneinander lernen wollen und gerne Zeit miteinander verbringen.

 

Und wie gehen wir mit einem geliebten Wesen um? Natürlich mit Verständnis, Ruhe, Geduld und Zuneigung. Wir nehmen uns Zeit, hören zu, verstehen und merken, dass auch der andere uns wahrnimmt und dass er schätzt, was er sieht, hört und fühlt.

 

Wir können mit unserem Hund eine Beziehung führen, die beide bereichert, in der sich beide aneinander erfreuen und gerne zusammen sind. In der man sich darüber einig ist, dass dieses spezielle Team mit jeder Situation klar kommt und jeder Herausforderung gemeinsam gewachsen ist. Weil man sich so gut kennt, eine gemeinsame Sprache spricht und sich vertraut.

 

 Mit der Entscheidung, einen Hund aufzunehmen, haben wir auch die Entscheidung getroffen, mit diesem speziellen Wesen ein Team zu bilden, in dem wir die Rolle des Anführers übernehmen. Wir haben schließlich diesen Hund mit in unsere, ihm wesensfremde Welt und unseren Alltag genommen, wo wir ihn an einer Leine durch den Straßenverkehr führen, mit ihm Auto und U-Bahn fahren und wollen, dass er keine Hasen jagt und im Restaurant ruhig ist.

 

Anführer ist immer derjenige, der so sicher, ruhig, gelassen, souverän und vorausschauend ist, dass der andere sich ihm gerne anschließt, weil er ihm zutraut, für seine Sicherheit und sein Wohlergehen sorgen zu können.

 

Dieses natürliche und souveräne Leadership ist unser Part in der Beziehung zu unerem Hund, und wenn wir den richtig ausfüllen und das Vertrauen, das unser Hund in uns setzt, rechtfertigen, entsteht Bindung, die schönste Form von Beziehung.

Wie wir unser Ziel nicht erreichen

Dieser Ansatz macht klar, dass sich bestimmte Trainingsmethoden von selbst ausschließen, weil sie wissenschaftlich veraltet und kontraproduktiv bis schädlich oder sogar gefählich sind.

Eine konfrontative und aversive Erziehung bewirkt nämlich genau das: eine konfrontative Beziehung, die wir ja genau nicht wollen.

Definitiv kontraproduktiv sind Schreckreize und hart strafende Trainingmethoden (Rüttelbox, Fisherdiscs, Sprüh- und Ultraschallhalsband etc.) zum Abbruch unerwünschten Verhaltens eines Hundes. Natürlich kann ich jeden Hund durch das Zufügen von Schreck- oder Schmerzreizen und Verstärkung von Angst sehr schnell dazu bringen, ein bestimmtes Verhalten nicht mehr zu zeigen. Allerdings ist damit einfach nur ein Symptom beseitigt, die auslösende Ursache hat sich nicht im Geringsten geändert, es kommen im Gegenteil weiterer Druck und Stress hinzu. Dies kann sich (und tut es fast immer) zu einem späteren Zeitpunkt in einem neuen, womöglich noch schwierigerem Verhalten ausdrücken.

 

Bei solchen Methoden besteht immer die Gefahr, dass man den Hund durch eine Fehlassoziation auf einen für ihn bis dato unbedeutenden Reiz konditionert. Ein Hund nimmt in jedem Augeblick seine gesamte Umgebung wahr, seine Welt besteht aus einer Vielzahl von Eindrücken, die sich unserer Wahrnehmung größtenteils entziehen. Tritt nun im Augenblick der Strafe ein bestimmter Reiz auf, den man selbst gar nicht auf dem Schirm hat, kann es schnell passieren, dass der Hund diesen von nun an mit dem für ihn unangenehmen Ereignis verknüpft und nicht mit seinem Verhalten. Das ursprüngliche Problem besteht also weiterhin und es kommt noch ein zusätzlicher reizauslösender Faktor hinzu, der uns nicht einmal bewusst ist. Damit hat man ganz schnell sich und seinem Hund ein weiteres Problem und eventuell sogar eine tickende Zeitbombe erschaffen.

 

Hinzu kommt, dass Hunde, ebenso wie wir, unter Stress nicht lernen können. Hoher Stress bewirkt eine Denkblockade, was physiologisch absolut Sinn macht. Die Idee, den Stress noch zu erhöhen und dadurch einen positiven Effekt auf das Lernen des Hundes zu erwarten ist entsprechend Nonsens. Ein Hund lernt auf diese Weise überhaupt nichts.

Unser Ziel hingegen ist es, dem Hund in für ihn als schwierig empfundenen Situationen alternative Verhaltensweisen zu zeigen und ihm die Zeit zu geben, diese positiv zu lernen, damit er sie zukünftig auch zuverlässig abrufen kann.

 

Genauso unsinnig und nicht zielführend sind Methoden zur körperlichen Unterwerfung eines Hundes. Oft werden diese damit begründet, dass Hunde angeblich untereinander auf diese Weise ein Fehlverhalten des anderen Hundes korrigieren oder ihre Rangordnung klären.

 

Aber erstens sind wir nun mal kein Hund und wir bilden auch kein Hunderudel, sondern sind Sozialpartner unserer Hunde. Warum also sollte ein Hund hinter irgendetwas, was wir tun, einen überlegenen Hund sehen, dem er sich unterordnen soll, wenn dieser Hund gar nicht da ist? Ein Hund lebt in einer anderen Welt als wir, seine Welt sieht anders aus, riecht anders, ist voller Geräusche und Reize, die wir nicht einmal erahnen. Und er ist auch nicht doof und denkt aufgrund irgendeines Verhaltens von uns, wir wären ein Leithund oder gar -wolf!

Und zweitens werden diese Maßnahmen hartnäckig falsch begründet.

Zum Beispiel der Mythos der Dominanz: es gibt schlicht keinen dominanten Hund! Dominanz ist keine Eigenschaft, sondern beschreibt lediglich das Verhältnis zwischen zwei Individuen. Ein Hund hat dann einen höheren Rang und nimmt die Rolle des Anführeres ein, wenn der rangniedrigere ihm diesen einräumt, weil er dem anderen aufgrund dessen Erfahrung, Stärke, Fähigkeiten in einer bestimmten Situation die Rolle des Anführers zutraut und ihm diese überlässt.

Schnauzengriff, Alphawurf, Nackenschütteln und Co sind unter Hunden nie im Kontext einer Verhaltenskorrektur zu sehen, sondern Teil ganz anderer Funktionskreise und deswegen als Mittel zur Unterwerfung eines vermeintlich dominanten Hundes schon von der Begründung her falsch und im besten Fall einfach nur unsinnig, im schlechtesten allerdings schädlich.

 

Durch solche Methoden erreicht man schlicht Verunsicherung, Angst oder Aggression, also alles, was wir mit unserem Training auf gar keinen Fall möchten. Wir wollen genau das Gegenteil!

Wenig überraschend haben viele Hunde, die als Problemhunde zu mir kommen, genau so eine Erziehung erfahren und Hund und Halter müssen nun mühsam in der Verhaltenstherapie wieder damit beginnen, Vertrauen zu schaffen, erlerntes Fehlverhalten korrigieren und eine stabile Sozialstruktur etablieren.

 

Unser Training

 

Es geht anders, und das ist keinesfalls ein verkuscheltes, weichgespültes Wattebällchen-Training. Im Gegenteil handelt es sich um ein auf umfassender Analyse und Wissen um Neurophysiologie, Ethologie und Lernmethodik beruhendes, konsequentes und positiv aufgebautes Training, dessen Fokus eine klare und punktgenaue verbale und nonverbale Kommunikation und perfektes Timing ist.

Neben der genauen Verhaltensanalyse gehen wir Verhaltensprobleme gegebenenfalls mit einer tierärztlichen Diagnose, eventuell nötigen Managementmaßnahmen, dem Erlernen von erkennbaren Frühwarnsignalen und einem fundierten theoretischen Wissen an. Solide Grundausbildung, wesengerechte Auslastung sowie eine geklärte Sozialstruktur sind die Grundlagen, von denen aus wir uns verhaltenstherapeutisch mit für deinen Hund als schwierig empfundenen Situationen beschäftigen und ihm alternative Verhaltensweisen beibringen.

 

Es ist klar, dass der Hund Vertrauen, aber auch Respekt lernen und die Führungsrolle des Halters akzeptieren muss. Dieser muss seinerseits bereit sein, diese Rolle anzunehmen, zu erlernen und konsequent zu erfüllen. Das geht nicht mit Gesäusel und Gekuschel, sondern mit deutlicher Kommunikation, richtigem Timing, Konsequenz und Geduld. Dann aber sind die Erfolge langfristig und die Beziehung stark. Und das Ganze machen wir entspannt und mit viel Freude, Spiel und Spass.

 
Wir arbeiten zielführend, nachhaltig und vertrauensfördernd.

Wir wollen, dass unser Hund sich unserer Führung gerne anschließt und dabei selbstbewußt und entspannt bleibt.

Unser Ziel ist, dass unser Hund bestimmtes Verhalten nicht mehr zeigen muss, weil wir das Grundproblem beseitigt, seinen Stress gemindert und ihm Verhaltensalternativen gezeigt haben.

Unsere Hunde wollen nichts lieber, als dass das mit uns funktioniert. Wir sind ihr Lebensmittelpunkt und sie tun alles für uns. Ihr Verhalten ist immer Ausdruck darüber, wie gut die Dinge zwischen uns definiert sind, und sie tun nichts, um uns absichtlich zu ärgern.

Wenn wir die Sprache, Signale und Individualdistanzen unseres Hundes verstehen lernen und ihm unsere Sprache verständlich und konsequent vermitteln können, wenn wir unsere Sache als Anführer in einer dem Hund eigentlich total fremden Menschenwelt gut machen, für seine Sicherheit sorgen und ihm großzügig Raum lassen, um Hundedinge zu tun, dann können wir uns zu einem echten Dreamteam entwickeln.

 

Und wenn wir uns dann selbst noch genügend Raum geben, uns ganz entspannt mit unserem Hund zu freuen und diese besondere Beziehung zu genießen, dann kann sich das ganz schön stark nach einem ganz schön großen Glück anfühlen.

 
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Ilonka Siewert

Dipl. Biologin

Hundetrainerin

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